Fabio's Welt

Kickstarter oder Kickscammer?

12.06.2015 | 4 Minuten zum Lesen

Kickstarter ist eine Finanzierungsplattform für kreative Projekte – von Filmen über Spiele und Musik bis hin zu Kunst-, Design- und Technologieprojekten. Doch immer mehr wird die Plattform zu einem Schauplatz für Abzockerei.

Du siehst ein Projekt, schaust das Video an, bist begeistert: "Das beste Produkt, das es gibt". In 3 Monaten wird es geliefert: "Geil!".

2 Jahre später: Kein Update. Kein Produkt. Kein Geld. "Kickscamming" nennt sich die schnelle Art Geld zu machen und dabei von tausenden Backern Geld zu klauen, die eigentlich für die Weiterentwicklung und Fertigung eines Produkts gedacht waren.

Kickstarter ist einladend für eine miese Art der Abzockerei: Der Abzocker baut ein halbfertiges Produkt, erstellt eine Kickstarter-Kampagne, wirbt mit zahlreichen Versprechungen dafür. Dann scheiden sich die Wege:

Der echte Abzocker

Der echte Abzocker hat dieses Vorgehen bereits geplant. Sobald das Geld überwiesen ist einige Updates nachliefern, dass sich das Produkt entwickelt. Am Besten nach den Adressen der Kunden fragen, damit man kein Aufsehen erregt und dabei gleich noch zusätzliche Add-Ons verkaufen, die es während der Kampagne noch nicht gab. Dann zurückziehen und verschwinden. Mit mehreren 10'000 oder 100'000 USD lässt sich so einiges Anstellen.

Der dumme Abzocker

Der dumme Abzocker hat plötzlich einen riesigen Haufen Geld. Nichts scheint nun noch unmöglich. Mitarbeiter werden eingestellt. Geschäftsräume gemietet. Firmenwagen gekauft. Prototypen entwickelt. Doch plötzlich ist nichts mehr da. Das ganze Geld geht wird fehlinvestiert. Dann zurückziehen und verschwinden.

Der ehrliche Visionär

Der ehrliche Visionär hat alles bereits durchgerechnet: Die Abgaben an Kickstarter. Die Entwicklung der nächsten 5 Prototypen. Die Miete der Geschäftsräume und der Lohn der neuen Mitarbeiter. Sämtliche Produktionsschritte wurden definiert und ein Preisband festgelegt. Für Versand und Eventualitäten wurde vorgesorgt und ein weiterer Teil des Geldes eingeplant. Er entwickelt sein halbfertiges Produkt mit viel Leidenschaft und Energie in das Produkt, das er zu Beginn seiner Kampagne versprochen hat. Vielleicht mussten Kompromisse getroffen werden oder es gab grosse Rückschläge, aber der ehrliche Visionär zieht sein Projekt durch und hat am Schluss mehr als der Abzocker: ein fertiges Produkt, ein erfolgreiches StartUp und eine Menge an Kunden, die Feedback liefern und sein Produkt weiterempfehlen.

Von diesen ehrlichen Visionären gibt es einige. Vermutlich sind es sogar die meisten auf Kickstarter. Doch an sie muss man glauben und sie unterstützen. Kickstarter ist nicht ein Online-Shop. Wäre das Produkt bereits fertig und perfekt, würde es nicht auf Kickstarter angeboten werden.

Man kauft auf Kickstarter kein Produkt, sondern unterstützt eine Idee und kriegt als Dankeschön für das Vertrauen eine Gegenleistung.

Auf Kickstarter unterstützt man Personen und StartUps, die vorher noch nie ein Produkt auf den Markt gebracht haben. Die keinerlei Erfahrung haben, was auf sie zukommen wird. Visionäre mit einer Idee, die sie umsetzen wollen. Deswegen bitte ich um (viel) Geduld und Vertrauen für diejenigen, die wirklich die Welt verändern können.

26 Projekte

26 - das ist die Anzahl Projekte, in die ich bereits (erfolgreich) investiert habe. Alle Beiträge zusammengerechnet ergeben einen 4-stelligen Betrag, auf den ich teilweise stolz bin, weil ich dadurch einige tolle Produkte erwerben konnte, aber der auch teilweise ziemlich weh tut, wenn man bedenkt, dass Kickstarter alles andere als ein Online-Shop ist.

3 Projekte haben noch Zeit

Um die Statistik nicht ganz zu versauen, möchte ich an dieser Stelle erwähnen, dass 3 Projekte ein Lieferdatum in der Zukunft haben und entsprechend noch nicht geliefert wurden. (Stand: Juni 2015)

7 Projekte kamen pünktlich

Von 23 Projekten kamen lediglich 7 Projekte im selben Monat an, in denen sie auch versprochen wurden. Das sind lediglich 30% meiner unterstützten Projekte.

3 Projekte kamen leicht zu spät

Lediglich 3 Projekte kamen leicht zu spät (unter 6 Monate). Für einen Online-Shop wäre das eine Tragödie, für Kickstarter aber eher Alltag.

4 Projekte kamen ziemlich zu spät

4 Projekte haben bis jetzt die "6-Monate-Grenze" überschritten und wurden mit bis zu einem Jahr Verspätung geliefert.

4 Projekte kamen ordnetlich zu spät

Weitere 4 Projekte hatten bereits Geburtstag, als sie geliefert wurden. Spitzenreiter sind zwei Projekte mit je 17 Monaten Verspätung. Das Gefühl beim Öffnen der Pakete? "Dass ich das noch erleben darf..."

5 Projekte stehen noch aus

Von 26 Projekten müssen 5 Projekte noch geliefert werden. Die aktuelle Verspätung liegt zwischen 1 Monat und 28 Monaten! Vermutlich wurde auch ich bereits das Opfer von 2-3 Kickscammern.

Ein Kickstarter-Projekt hat bei mir durchschnittlich 6 Monate Verspätung. Aber das ist ok. Denn ich kaufe kein Produkt, sondern unterstütze ein StartUp, das keinerlei Erfahrung in diesem Bereich hat.